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Über Aggressionen, Gewalt, Videospiele und Verbote

Nach dem schockierenden Amoklauf werden natürlich Ursachen – und weniger wertfrei – Schuldige gesucht. Dabei geraten natürlich auch wieder die Computerspiele ins Visier, die einen gewalttätigen Hintergrund haben. Und sofort werden wieder Stimmen laut, die ein Verbot fordern.
Shakespeare sagte: “An sich ist nichts weder gut noch böse. Erst das Denken macht es dazu.” Zu Shakespeares Zeiten gab es zwar keine Videospiele, Gewalt hat es allerdings real und in 3D um so mehr gegeben. Das Messer an sich ist nur ein Messer, jeder entscheidet selbst, ob er damit Brot schneidet oder tötet. Und so finde ich auch beim Zusammensuchen von Informationen diverse Kommentare und Diskussionen, in denen sich friedliche, ehrbare Bürger nicht das Recht nehmen lassen wollen, in Ihrer Freizeit zu tun, was sie wollen. Wir haben uns entschieden, in einer Gesellschaft mit Meinungsfreiheit zu leben, die wird auch vehement verteidigt.
Dadurch, dass das Thema so emotional ist, fällt es um so schwerer, außen stehende Perspektiven und verschiedenste Blickwinkel einzunehmen. Ein Versuch dazu, der allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, folgt nun:

1. möglicher Blickwinkel: Der Statistiker

Im Jahr 2007 starben in Deutschland 827.155 Menschen. Die genauen Statistiken sind am Ende des Absatzes aufgeführt – hier nun einige Details:

Einzelne Todesursachen:

- Herz-/Kreislaufkrankheiten: 358.683 Personen, d.h. mehr als 40% (Die Häufigste Ursache!)
– Diabetes: 21.871 Personen, d.h. 2,6 %
– Verkehrsunfälle: 5.170 Personen, d.h. 0,6 %
– Tätlicher Angriff: 451 Personen, d.h. 0,05 %

In einer Pressemitteilung gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass sogenannte legale Drogen, wie Alkohol und Tabak im Jahr 2006 zu 57.900 Todesfällen geführt haben. Das entspricht einem Prozentsatz von ca. 7%.
Alkohol ist nicht verboten, ebenso wenig wie Tabak. Beide unterliegen dem jüngst verschärften Jugendschutzgesetz. Dieses verhindert trotzdem kein Koma-Saufen.
Der übermäßige Genuss von Zucker ist auch nicht verboten und forderte immerhin über 20.000 Opfer. Es gibt keine Warnschilder, die auf ihn hinweisen, denn sonst müsste auf fast allen Lebensmitteln ein Gefahrenhinweis kleben – aber das ist ein anderes Thema…
Wenn wir also sehen, dass 0,05% der Todesursachen durch tätliche Angriffe verursacht werden und nur ein Teil davon auf den gewalttätigen Einfluss von Ballerspielen zurückzuführen ist, könnten wir uns fragen, ob das Hauptaugenmerk von Verboten vielleicht auf gefährlichere Dinge gerichtet werden sollte.

Nachweise:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zu Drogentoten
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zu den häufigsten Sterbefällen 2007
Detail-Bericht des Statistischen Bundesamtes über Todesursachen 2007

Zwischenkommentar: Natürlich rechtfertigt diese Auflistung keine Gewalttat und tröstet kein Opfer und keinen Hinterbliebenen! Sinn der Statistik war auch nicht, Gewalt zu bagatellisieren. Warum schockiert uns ein seltener Amoklauf mehr, als häufigere tägliche Todesfälle durch Substanzen, die jeder im Supermarkt kaufen kann?

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