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Gesundheit ist mehr, als die Abwesenheit von Krankheit!

Über Aggressionen, Gewalt, Videospiele und Verbote

4. möglicher Blickwinkel: Hirnforscher

Unser Hirn ist längst nicht so zuverlässig, wie wir denken! Können Sie sich vorstellen, dass jemand z.B. Ihre Kindheitserinnerungen manipulieren kann? Verschiedene Teams von Wissenschaftlern haben eben dieses getan – die Ergebnisse können Sie hier lesen:
Lässt sich das Gedächtnis fälschen?

Zwischenkommentar: Einer der notwendigen Aspekte für eine solche Veränderung ist die Kontinuität. Wenn, wie im nächsten Artikel (Studie zur Computerspielsucht) beschrieben, Jugendliche am Schultagen im Schnitt 130 Minuten zocken, dann muss es jedem einleuchten, dass diese Dauerberieselung mit aggressiven Bildern nicht folgenlos bleibt.
Bei dem überwiegenden Teil der Spieler sorgt das virtuelle „Ballern“ nicht für Gewaltexzesse im realen Leben. Wenn die Persönlichkeit rundum stabil ist, werden die Grenzen zwischen Realität und Spiel nie verwischen. Obwohl es unserem Hirn immer schwerer gemacht wird, wie folgender Bericht zeigt:
Gewalt im Fernsehen wird immer realistischer
Gewalt spielt ja nach wie vor in unserer Gesellschaft eine große Rolle, obwohl wir in einer friedlichen, von Meinungsfreiheit geprägten Demokratie leben. Vielleicht lohnt da einmal der genauere Blick auf Aggression…

5. möglicher Blickwinkel: Ganzheitlicher psychosomatischer Ansatz

Vielen ist Rüdiger Dahlke ein Begriff, der als Arzt den Brückenschlag zur Psychologie schlägt und den Menschen nicht mehr als Summe diverser Bausteine sieht sondern als Einheit, in der Körper, Geist und Seele untrennbar verbunden und miteinander verwoben sind.
Sein Buch ‘Aggression als Chance’ ist schon im Titel provokativ, da in unserem Sprachgebrauch Aggression immer mit Gewalt gleichgesetzt wird. Für ihn ist Aggression zunächst einmal ein Urprinzip, welches wir in der Natur immer finden. Es kommt ein aggressives Muster zum Tragen, wenn eine Katze eine Maus fängt. Das bewerten wir nicht negativ. Aggressionen im menschlichen Zusammenleben werden fast immer bewertet, wobei die Bewertung sehr von den Interessen, der Moral, der Ausgangssituation etc. abhängt.
In unserer heutigen Gesellschaft scheint Aggression geächtet zu sein. Da wir sie aber nicht überwunden, sondern eher verdrängt haben, kommt sie oft unerwartet und hinterrücks ans Tageslicht. Vielleicht erinnert Sie das an das veraltete Dampfkesselmodell. Der wesentliche Unterschied ist, dass es hier um eine Transformation und nicht nur um Erleichterung und Druckabbau geht.
Wie können wir uns eine transformierte Aggression vorstellen? Aggression einfach platt auszuleben, ändert nichts an den Wurzeln. Die positiven Aspekte von Aggression sind z.B. Entdecker- und Forscherdrang, Kreativität, das Schwimmen gegen den Strom, das Verfechten eigener Meinungen, die Eroberung neuen Wissens und schließlich der Kampf gegen das eigene Ego.
Fragen Sie sich nun ehrlich, wie viele dieser positiven Seiten der Aggression bei Kindern und Jugendlichen gefördert werden? Welche Schlüsselfiguren leben uns was vor? Und wie schnell will unsere so auf Äußerlichkeiten getrimmte Gesellschaft einen Widerspruchsgeist zähmen und einordnen?
Beim Amoklauf sehen wir, wie sich die unerlöste Aggression in einer sehr grausamen Form nach außen richtet. Wissen Sie, wie viele Menschen die Aggression in sich einschließen und gegen sich selbst richten?
Mehr darüber lesen Sie bitte in ‘Aggression als Chance’ von Rüdiger Dahlke.

Abschlusskommentar: Was ist jetzt die Lösung? Meinen Sie, dass es Sinn macht, Gewaltspiele und -filme zu verbieten? Es gibt ja offensichtlich ein immenses Bedürfnis danach, sonst wären sie nicht so erfolgreich. Genauso stark, wie das Bedürfnis nach Alkohol, Zigaretten, anderen Drogen und sogar Süßigkeiten ist. Und alle, wie wir am Anfang gesehen haben, fordern ihre Opfer. Müssten wir dann nicht all diese todbringenden Dinge verbieten?
Ist letztlich das Bedürfnis danach nicht ein Ausdruck, dass wir nicht das Leben leben, was wir uns wirklich wünschen? Wird sich jemand vier Stunden pro Tag durch animierte Welten schießen, wenn er eine echte Herausforderung im Leben, erfüllende Beziehungen und großartige Freundschaften hat? Sind unsere Süchte nicht letztlich die faulen Platzhalter, um die Sinnleere in unserem Leben notdürftig zu füllen?
Die einzige Chance, die ich sehe, ist dass wir durch Bewusstheit und Achtsamkeit zu einer so glücklichen und erfüllten Gesellschaft entwickeln, dass eines fernen Tages kein Bedarf mehr an Ballerspielen, Gewaltfilmen und Drogen herrscht und die Herstellung mangels Interesse eingestellt wird. Bis dahin werden wir uns mit Krücken wie Verboten und Regulation behelfen müssen, oder wie sehen Sie das?

(Außer den hier angegebenen Weblinks diente als Quelle: Dorsch, Psychologisches Wörterbuch, 14. Auflage)

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